Drei Arten amerikanischen Glases tauchen immer wieder in Familienschränken, Secondhandläden und bei Haushaltsauflösungen auf: Depression-Glas, Carnival-Glas und Milchglas. Alle drei wurden in großen Mengen hergestellt, alle haben eine treue Sammlergemeinde, und alle wurden vielfach reproduziert. Dieser Ratgeber erklärt, wie du sie erkennst, was die typischen Hinweise bedeuten und was ein Stück tatsächlich wertvoller macht.
Depression-Glas
Was es ist
Depression-Glas ist das preiswerte, massenhaft produzierte Glasgeschirr, das in den USA etwa von den späten 1920er- bis in die 1940er-Jahre hergestellt wurde. Es wurde billig in Geschäften verkauft und oft als Werbegeschenk zu Lebensmitteln, im Kino oder an Tankstellen verschenkt. Zu den großen Herstellern gehörten Anchor Hocking, Federal Glass, Hazel-Atlas, Indiana Glass, Jeannette Glass und MacBeth-Evans.
So erkennst du es
- Farben: Rosa, Grün, Bernstein, Blau, Gelb und Klarglas sind am häufigsten, Kobaltblau, Rot und andere Farben seltener.
- Gepresste Muster: Die meisten Stücke wurden maschinell gepresst und tragen flächendeckende Muster, viele davon floral oder geometrisch.
- Kleine Unregelmäßigkeiten: Weil es schnell und billig hergestellt wurde, hat Depression-Glas oft winzige Bläschen, leichte Formspuren, ungleichmäßige Wandstärken und gelegentlich Schlieren. Das ist normal.
- Formnähte: Achte auf feine Linien, wo die Teile der Pressform aufeinandertrafen.
- Meist unmarkiert: Das meiste Depression-Glas trägt keine Herstellermarke. Es wird anhand des Musters bestimmt.
Bekannte Muster
Sammler bestimmen Depression-Glas nach dem Musternamen. Einige bekannte Beispiele sind Cherry Blossom und Adam (Jeannette), Mayfair und Miss America (Hocking), American Sweetheart (MacBeth-Evans), Royal Lace (Hazel-Atlas) sowie Madrid und Sharon (Federal). Musterführer mit Fotos sind der beste Weg, ein Stück zuzuordnen, denn viele Muster sehen auf den ersten Blick ähnlich aus.
Uranglas und der UV-Test
Manches Glas enthält eine kleine Menge Uran als Farbstoff. Unter ultraviolettem (UV-)Licht leuchtet es kräftig grün. Gelbgrünes Uranglas nennen Sammler Vaseline-Glas, und auch manches grüne Depression-Glas enthält Uran.
- So testest du: Leuchte in einem dunklen Raum mit einer UV-Taschenlampe auf das Glas. Uranglas leuchtet hellgrün. Langwellige UV-Lampen sind günstig und überall erhältlich.
- Was es dir sagt: Das Leuchten bestätigt Uran im Glas. Es beweist allein noch nicht, dass ein Stück alt ist, denn Uranglas wurde auch in den letzten Jahrzehnten noch hergestellt.
- Ist es sicher? Uranglas gibt nur eine sehr geringe Strahlung ab. Es gilt allgemein als unbedenklich zum Ausstellen und Anfassen, viele Sammler essen oder trinken aber lieber nicht daraus.
Auch andere Materialien fluoreszieren unter UV-Licht in anderen Farben, das charakteristische Merkmal ist also das hellgrüne Leuchten.
Carnival-Glas
Was es ist
Carnival-Glas ist Pressglas mit einer schimmernden, irisierenden Oberfläche, die durch Aufsprühen von Metallsalzen auf das heiße Glas entsteht. Es wurde ab dem frühen 20. Jahrhundert in den USA hergestellt, die Hauptzeit reichte von etwa 1907 bis in die 1920er-Jahre. Zu den großen Herstellern gehörten Fenton, Northwood, Imperial, Millersburg und Dugan. Später wurde es ein beliebter Preis auf Jahrmärkten und Volksfesten („Carnivals“), daher der Name.
So erkennst du es
- Irisieren: ein regenbogenartiger, öliger Schimmer auf der Oberfläche, der sich verändert, wenn du das Stück im Licht bewegst.
- Grundfarbe: Halte das Stück gegen ein helles Licht, um die Farbe des Glases selbst zu sehen. Häufige Grundfarben sind Marigold (Orange), Amethyst bzw. Violett, Blau und Grün. Sammler beschreiben ein Stück nach seiner Grundfarbe, nicht nach dem Oberflächenschimmer.
- Gepresste Muster: detailreiche Motive wie Früchte, Blumen, Pfauen und Trauben, oft außen wie innen.
- Marken: Manche Northwood-Stücke tragen ein unterstrichenes „N“, viel frühes Carnival-Glas ist aber unmarkiert.
Achte auf spätere Neuauflagen und Reproduktionen
In den 1960er-Jahren kam Carnival-Glas wieder in Mode, und mehrere Firmen, darunter Imperial und Fenton, stellten neues irisierendes Glas her, oft mit alten Formen oder Entwürfen. Viele spätere Stücke wurden von ihren Herstellern markiert, doch Marken lassen sich abschleifen, und es gibt Kopien alter Marken, auch Fälschungen des Northwood-„N“. Späteres Irisieren kann heller und gleichmäßiger wirken als die ursprüngliche Oberfläche.
Milchglas
Was es ist
Milchglas ist opakes oder halbopakes Glas, meist weiß. Es wird seit Jahrhunderten hergestellt, war in Amerika aber ab dem 19. Jahrhundert und erneut Mitte des 20. Jahrhunderts besonders beliebt. Es gibt es auch in Blau, Rosa, Schwarz und in dem Jadegrün, das als Jadeite bekannt ist. Zu den Herstellern zählen Fenton, Westmoreland, Anchor Hocking und viele andere.
So erkennst du es
- Opaker Glaskörper: Halte es gegen das Licht. Manches Milchglas lässt gar kein Licht durch, anderes schimmert sanft.
- „Feuerring“: Manches ältere Milchglas zeigt an den Rändern einen schwachen Regenbogen- oder Bernsteinschimmer, wenn du es gegen starkes Licht hältst. Sammler sehen darin oft einen Hinweis auf älteres Glas, allein beweist es aber nichts.
- Häufige Muster: Hobnail (erhabene Noppen), Trauben- und Blattmotive, Spitzenränder und Deckeldosen in Tierform, etwa Hennen auf dem Nest.
- Marken: Viele Stücke sind unmarkiert. Manche späteren Westmoreland-Stücke tragen die Marke „WG“, und die Fire-King-Linie von Anchor Hocking ist oft am Boden markiert.
Milchglas wurde in riesigen Mengen produziert, und viele Muster wurden jahrzehntelang hergestellt, daher kann es denselben Entwurf in alten und späteren Ausführungen geben.
Reproduktionen erkennen
Alle drei Glasarten wurden reproduziert, teils mit den Originalformen. Einige allgemeine Hinweise:
- Falsche Farbe. Viele Reproduktionen gibt es in Farben oder Tönen, die es beim ursprünglichen Muster nie gab.
- Scharfkantig, schwer oder glitschig. Manche Reproduktionen sind dicker oder schwerer oder fühlen sich zu glatt an.
- Schwache Musterdetails. Kopien, deren Formen von einem Originalstück abgenommen wurden, zeigen oft weichere, weniger klare Details.
- Unerwartete Marken oder Jahreszahlen. Manche Neuauflagen sind offen mit einem späteren Datum oder Hersteller markiert. Indiana Glass zum Beispiel legte das Muster Madrid in den 1970er-Jahren als „Recollection“ neu auf.
- Keine Gebrauchsspuren. Altes, normal benutztes Glas hat feine Kratzer am Boden und am Rand.
Bestimmte Reproduktionen lassen sich am besten mit einem Nachschlagewerk zum jeweiligen Muster oder dem Leitfaden eines Sammlerclubs erkennen, denn die Details, die Alt und Neu unterscheiden, sind oft klein. Unser allgemeiner Ratgeber Antik, Vintage oder Reproduktion? behandelt die allgemeinen Anzeichen für Alter.
Was den Wert bestimmt
Die meisten Stücke aus Depression-, Carnival- und Milchglas sind häufig und erschwinglich. Höhere Preise erzielen Stücke mit der richtigen Kombination einiger Faktoren:
- Muster und Form. Manche Muster sind seltener als andere, und innerhalb eines Musters sind manche Formen, etwa große Servierteile, Krüge oder Stücke mit Deckel, schwerer zu finden.
- Farbe. Bei jedem Muster wurden bestimmte Farben in kleineren Mengen hergestellt und sind gefragter.
- Zustand. Abplatzer, Risse, Trübungen („krankes Glas“), abgeriebenes Irisieren und Kratzer mindern den Wert erheblich. Fahr mit dem Finger behutsam über Ränder und Kanten, um winzige Abplatzer zu ertasten.
- Echtheit. Originale werden deutlich höher bewertet als Neuauflagen und Reproduktionen.
- Nachfrage. Das Interesse an bestimmten Mustern und Farben steigt und fällt mit der Zeit.
Die Preise schwanken stark, schau dir also aktuelle Verkaufsergebnisse an statt Angebotspreise. Unser Ratgeber Was ist meine Antiquität wert? erklärt, wie das mit dem eBay-Filter für verkaufte Artikel und mit Auktionsarchiven geht.
Tipp: Fotografiere Glas vor einem einfarbigen Hintergrund mit Licht, das hindurchscheint, und mach dann ein zweites Foto vom Boden. AI Antique kann Art, Muster, Epoche und eine geschätzte Preisspanne vorschlagen, und mit der Taste „Bilder auf Google finden“ vergleichst du dein Stück mit ähnlichen Stücken.
Bei einer großen oder ungewöhnlichen Sammlung kann dir ein auf Glas spezialisierter Händler oder ein Auktionshaus, das regelmäßig amerikanisches Glas versteigert, helfen, die seltenen Stücke von den alltäglichen zu trennen.